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Kunsthütte Chemnitz, presumably: Der deutsche Norden (Barlach, Nolde, Rohlfs), January/February 1932 (with the stamped label on the reverse). Traveling exhibition "Neuere Deutsche Kunst“, May 1932-July 1932 (Copenhagen, Den Frie udstilling, May 1932, no. 158; Cologne, Großer Kongress-Saal der Kölner Messe, June-July 1932, no. 147) Expressionismus, Spencer A. Samuels, New York, 1968, no. 11 (illustrated)
Wilhelm Ritzerfeld Collection, Berlin (around 1935). Elvira Ritzerfeld, Berlin (obtained from teh above, until 1966: Sotheby’s, June 22, 1966). M. Knoedler & Co., New York (with the label on the reverse). Roman Norbert Ketterer, Campione d'Italia (1968/69). Collection Udo Bey, Soregno/ Switzerland (1990). Private collection, Northern Germany Private collection, Switzerland
Das Meer ist für Nolde während seiner gesamten Schaffenszeit ein wichtiges Thema. Bereits 1910/11 arbeitet er an den ,,Herbstmeeren“, es entsteht eine Folge von 20 Gemälden. "Nolde hat das Meer als Elementarwesen gemalt und als Apotheose des Lichtes und der Unendlichkeit. [...] Das völlige Eintauchen in die elementare Gewalt der Natur bis an die gefährliche Grenze des Möglichen, das Einswerden mit dem Ziel der Durchdringung, die Dinge ergreifen und sich von ihnen ergreifen lassen, um dann aus der Erinnerung das Bild zu malen, fern der Oberflächenwelt, nur der Vorstellungskraft folgend und der sinnlichen Lockung der Farben - kein Thema kam dem Maler mehr entgegen. Hier kann er dem Fluß der Farben alle Freiheit lassen, um ihn zugleich souverän in eine kompositorische Ordnung zu lenken", so der Kunsthistoriker und langjährige Direktor der Ada und Emil Nolde Stiftung in Seebüll Martin Urban (zit. nach: Martin Urban, Emil Nolde. Landschaften. Aquarelle und Zeichnungen, Köln 2002, S. 32). Dieses Bild gehört zu einer Reihe von sechs Seestücken, die während Noldes Aufenthalt auf der norddeutschen Insel Sylt im Herbst 1930 in kurzer Abfolge entstehen. "Monate waren vergangen, die vielen Menschen verzogen. Es ging gar schnell. Ich war fast ganz allein noch geblieben. Der Herbst war gekommen, die Tage kurz. Gewitterwolken kamen gezogen mit Hagelschauern, - die Blitze fahrend ins Meer. Mein Sinnen war stumpf, mein glücklicher Frohsinn vorbei, wie im Lebensherbst es oft und quälend so sein kann. Sechs Meerbilder hatte ich stehen in Farben naß und fertig, fast fertig, bis zur Ekstase darnach noch arbeitend und immer, immer wieder sie prüfend anschauend", schildert Nolde die intensiv empfundene Zeit der Entstehung dieser Meerbilder (Emil Nolde, Mein Leben. Am Westmeer 1930, Köln 1993, S. 378). Noldes charakteristisch expressive Pinselführung und die intensive Farbgebung lassen den wogenden Aufruhr des Meeres nachfühlen. Dabei muss es ihm ähnlich ergangen sein wie dem französischen Realisten Gustave Courbet, als dieser rund 60 Jahre zuvor die mächtig sich aufbäumenden und mit schaumiger Gischt anbrandenden Wogen in Étretat an der französischen Atlantikküste in vielfältigen Variationen festhält. Courbet und Nolde sind gleichermaßen fasziniert von dem endlos wiederkehrenden Ereignis der anschlagenden Wellen und die stürmische Wetterlage mit der vom Wind aufgeblasenen Gischt. Das Getöse des Meeres überträgt sich in die Impulsivität der Malerei Noldes und dessen künstlerische Ausdrucksfähigkeit: eine von Emotionen geleitete expressive Naturschilderung, die das herbstliche Licht der Insel auf den Kämmen der sich überschlagenden Wellen spiegelt. Noldes Interpretationen von Meer und Himmel sind hier geleitet von seiner eigenen Stimmung. Nolde überträgt das Gesehene in eine gefühlte Landschaftsmalerei, in der der Realismus nur mehr eine Orientierung leistet, hingegen die expressive Setzung der Farben das Motiv durchdringt und sinnlich erfahrbar macht. Das typische Dunkelgraublau des aufgewühlten Wassers der Nordsee wird mit Grün- und Türkistönen überhöht, der dunkelviolett getönte Himmel am fernen Horizont unterstreicht die angespannt melancholische Abendstimmung des zu Ende gehenden Herbsttages. Nolde verzichtet auf die Bühne festen Bodens, ein Stückchen Sand oder den Schutz von Dünen; er stellt sich und den Betrachter gleichsam inmitten der aufbrausenden Gischt und lässt mit dieser Geste seiner Erregung freien Lauf.
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